Collani's grosser
Patronen-Test
10,3x60R

RWS-Graubünden Spezial

 


 

Foto Copyright (C) by RUAG Ammotec GmbH, Fürth, Germany

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Patrone Geschoss-Gewicht BC GEE Gasdruck Präzision Preis/Stück
RWS  GR Spezial 12.0 Gramm / 185 Grains 0.165 162m 2'700 Bar 25mm CHF 5.00


Fazit:
Diese Patrone kann für schwaches mitteleuropäische Schalenwild bis max. 150m Distanz angewendet werden. Das Geschoss spricht sehr schnell an, zerbröselt und das Geschoss-Restgewicht von lediglich knapp 6 Gramm weckt kein grosses Vertrauen bezüglich Durchschlagskraft. Deshalb darf diese Patrone nicht weiter als 150m Distanz angewendet werden. Zwar besitzt diese Ladung eine hohe Mündungs-Geschwindigkeit von 895m/s (Werksangaben). Aber dies soll nicht davon hinwegtäuschen, dass auf 200 Metern Distanz das Geschoss lediglich eine Geschwindigkeit von 551m/s! Daraus resultiert sich noch folgendes Problen: Die Mindestanforderung in Energie auf 200m ist bei 2'000 Joules definiert. Und mit der daraus resultierenden Energie auf 200 Meter mit diesem nur 12 Gramm schweren Geschoss gerade mal 1'822 Joules. Ja, sogar auf 150 Meter besitzt das Geschoss lediglich 2'366 Joules. Deshalb dürfte eigentlich diese Fabrik-Munition gar nicht auf Hochwild angewendet werden! Abklärungen diesbezüglich sind im Gange!

Das nächste Problem ist der Wind-Drift. Bei einem Seitenwind von 7m/s wird das Geschoss auf 100 Meter bereits über 11 cm von der eigentlichen Treffpunktlage gedriftet. Daher ist ein möglicher Schuss auf 150 Meter nicht mehr zu verantworten, weil auf dieser Distanz das Geschoss bereits mehr als 27 cm von der Treffpunktlage versetzt ist!

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind, oder:
Die Windabweichung auf das Geschoss hat einen wesentlichen Einfluss auf das Treffen des Stück Wildes!

Nachdem wir uns bereits mit dem Thema Querschnitts-Belastung beschäftigt haben, ist es nun das Thema Wind, welches wir genauer ansehen möchten. Viele der Jäger wissen ziemlich genau, welchen Einfluss der Geschossabfall (vertikale Abweichung) bis auf 300 Metern beträgt. Aber nur wenige Jäger haben wirklich eine Ahnung, wieviel ein Geschoss im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verweht werden kann.

Viele Schweizer Jäger sind zudem gleichzeitig auch in einem Schützenverein aktiv dabei. Die dort verwendete Munition (7,5x55 GP11) wird auf 300 Meter geschossen. Dabei ist der Schützenstand optimal eingerichtet. Windfahnen stehen zur Verfügung, um den Wind korrekt lesen zu können. Von daher ist es einfacher, auf die Windabweichung korrekt zu reagieren und die Zielvorrichtung an der Waffe korrigiert werden kann.

Ganz anders ist es während der Jagd. Es gibt mehrere Faktoren, welche dem Jäger die Schwierigkeiten aufzeigen. Zuerst weiss der Jäger nicht immer genau, wie weit der Schuss ist. Dafür gibt es die Entfernungsmesser, welche hervorragende Dienste leisten. Das nächste Problem ist das korrekte "Lesen" (Erkennen) des Windes. Hier sind die Erfahrungen im Gelände massgeblich für jagdlichen Erfolg (sauberer Treffer), oder Misserfolg (sehr schlechter Schuss, oder zumindest vorbei geschossen). Meistens weht der Wind über die gesamte Geschossflugbahn nie konstant. Vor allem, wenn man über ein Tal schiesst, ist es extrem schwierig, die korrekte Windgeschwindigkeit zu bestimmen.

Jagdliche Anwendung
Zuerst müssen wir und vor Augen halten: wie lang ist ein Rehbock, vom Brustbein bis zur Keule? Wie lang ist ein starker Rothirsch, vom Brustbein bis zur Keule? Wenn man diese Masse vor dem Schuss vor Augen hält, so kann man beurteilen, wieviel "Reserve" für einen Treffer vorhanden sind. Vergewissern wir, dass die tödliche Trefferzone bei kleinem Wild maximal 5 cm beträgt und bei starkem bis sehr starkem Wild durchauch 10 cm betragen kann, so wird ein weiter Schuss auf über 150 Metern bei starkem Wind von mehr als 10 m/s (36 km/h) sehr fragwürdig. Man könnte durchaus sagen, es ist ein unwaidmännischer Schuss wegen der sehr ungünstigen Wetter- und Wind-Bedingungen!

Schauen wir mal die unten stehende Tabelle an. Eine Spalte heisst: Thorax-Länge, welche aufzeigt, wie lang ein Stück Wild ist.

Wild-Klasse Wild-Art Gewicht (kg) Thorax-Breite (cm) Breitseite(cm) Wund-Durchmesser (mm) Wund-Tiefe (cm) Wund-Fläche (cm2)
Sehr leichtes Wild Murmel, Fuchs, Reh < 25 < 23 30 - 50 bis 15 < 10 < 63
Leichtes Wild Gams, Dam, Hirsch-Schmaltier 25 - 50 23 50 - 80 bis 15 10 - 13 63
Mittelschweres Wild Rothirsch, Wildschwein, Karibu 50 - 150 23 - 28 80 - 100 bis 15 13 - 15 63 - 70
Mittel bis schweres Wild Wapiti, Kudu, Oryx 150 - 350 28 - 38 80 - 120 bis 15 15 - 18 70 - 83
Schweres Wild Elch, Braun-Bär, Zebra 350 - 750 38 - 42 100 - 150 bis 15 18 - 23 83 - 110
Sehr schweres Wild Kaffern-Büffel, Eland, Bison 750 - 1500 42 - 48 120 - 200 bis 15 24 - 34 110 - 160

Das nachfolgende Bild zeigt den Gamsbock in voller Pracht. Die Gesamtbreite (vom Brustbein bis zur Keule) eines starken Bockes beträgt ca. 60cm.

Starker Gamsbock...


Wenn nun der Jäger das Wild angesprochen hat, so muss er sich überlegen, ob er einen sicheren Schuss auf die bekannte Distanz abgeben kann. Die Kenntnis des Jagdgebietes hilft ihm dabei. Im gleichen Moment muss er wissen, wieviel Wind gerade weht. Bei einem lauen Lüftchen muss man nicht gross nachdenken, aber wenn sich Äste kräftig bewegen, so muss der Faktor Wind wirklich berücksichtigt werden.


Hohe Querschnittsbelastung = hoher B.C. (ballistiscsher Koeffizient) = weniger Windabweichung (Drift)
Die Querschnittsbelastung ist ein Wert, der sich aus der Gesamtmasse (Gewicht) des Geschosses und seiner Querschnittsfläche ergibt. Der Wert kann in g/mm2 errechnet und angegeben werden. Da ein Geschoss mit hoher Querschnittsbelastung ein sehr hohes Durchdringungsvermögen in Luft und in das Zielmedium (Wildkörper), wird diese Erscheinung überall dort angewandt, wo dies erwünscht wird.

Jagdliche Anwendung der Querschnittsbelastung
Die sehr sinnvolle Anwendung einer hohen Querschnittsbelastung bringt wesentliche Vorteile in der Aussen- und Zielballistik. Somit wird erreicht, dass das Geschoss, welche mit einer Mündungsgeschwindigkeit beschleunigt worden ist, so viel Geschwindigkeit wie nur möglich bis ins Ziel bringen soll.

Betrachen wir verschiedene Geschosse von verschiedenen Herstellern für die Patrone 10,3x60R und vergleichen wir die Werte der Abweichungen des Geschosses mit Windgeschwindigkeiten von 5 m/s resp. 10 m/s. Nachfolgend eine Tabelle mit den Geschossen verschiedener Hersteller. Für eine Vergrösserung, bitte das Bild klicken.

Bild: Tabelle Abweichung bei Windgeschwindigkeiten von 5 m/s resp. 10 m/s für Patronen im Kaliber 10,3x60R

Tabelle mit den gängigsten Geschossen für die Patrone 10,3x60R. Bitte klicken Sie, um eine Vergrösserung zu erhalten. Bitte beachten Sie die eingefärbten Spalten und Zeilen. Vergleichen Sie die Werte...

Die Tabelle ist sortiert nach der Spalte Windgeschwindigkeit 10 m/s. Die in der Tabelle erwähnten Werte sind massgeblich für die Aussenballistik. Die Werte für den Ballistischen Koeffizienten von 0.300 und höher sind als gute Werte anzusehen. In Kombination mit einer höchst möglichen V° wird der Winddrift minimiert. Ziel ist es, ein formgünstiges Geschoss zu verwenden, um den Winddrift (Abweichung) zu reduzieren. d.h eine strömungsgünstige Geschossform (hoher Ballistischer Koeffizient B.C.) mit einem optimalen Geschossgeschwindigkeit.

Zeigen wir mal graphisch auf, wie sich die beiden Geschosse bezüglich der Flugbahn zur Visierlinie verhalten. Worauf es ankommt, wenn das Geschoss einerseits zu leicht ist und zusätzlich noch eine sehr ungünstige Geschossform (tiefen BC) aufweist, zeigt die unten stehende Graphik ganz deutlich.

Graphik bezüglich Flugbahn zur Visierlinie...


Zeigen wir mal graphisch auf, worauf es wegen des Wind-Driftes ankommt, wenn das Geschoss einerseits zu leicht ist und zusätzlich noch eine sehr ungünstige Geschossform (tiefen BC) aufweist.

Graphik des Wind-Driftes bei Wind von 10m/s...


Diese folgende Graphik zeigt auf, wie der Wind-Drift der neuen Patrone von RWS 10,3x60R GR Spezial extrem zusetzt!

Graphik des Wind-Driftes bei Wind von 10m/s...


Gute Geschosse
Alle Geschosse werden vom Wind (10 m/s) seitlich weggetragen. Diese Werte liegen auf einer Schussdistanz von 150 Metern bei weniger als 20 cm (Wind 10 m/s) . Zielt der Jäger nun auf einen breit stehenden Gamsbock, so wird der Treffer entweder weich oder vorbei in den Boden einschlagen. Dies verständlicherweise jenachdem von welcher Seite der Wind gekommen ist!

Was nützt eine sehr hohe V° (Mündungsgeschwindigkeit), wenn das Geschoss einerseits zu leicht ist und zusätzlich noch eine sehr ungünstige Geschossform aufweist.

Das Geschoss verliert auf die jagdlichen Schussdistanzen von max. 200 Metern zuviel an Geschwindigkeit. Zusätzlich wird das Geschoss mit einer ungünstigen Form (tiefer Ballistischer Koeffizient B.C.) extrem seitlich vom Winde verweht.

Schlechte Geschosse
Bei Geschossen mit einem schlechten Ballistischen Koeffizienten (B.C. tiefer als 0.150) und/oder eine tiefe Geschossgeschwindigkeit (V150 kleiner als 530 m/s) wird der Wind (10 m/s) das Geschoss auf 150 Meter mehr als 30 cm verwehen. Deshalb ist es sehr unvernünftig, einen Schuss bei sehr starkem Wind auf über 150 Meter Distanz abzugeben.

Bitte vergleichen Sie die Werte und entscheiden selbst!



Diese folgende Graphik zeigt den Vergleich der verschiedenen Geschosse und deren Geschwindigkeiten.

Graphik der verschiedenen Geschosse und deren Geschwindigkeit


Diese folgende Graphik zeigt den Vergleich der verschiedenen Geschosse und deren entsprechende Energien. Zudem noch die blaue Linie der geforderten Mindest-Energie von 2000 Joules auf 200 Meter für Rotwild gemäss Jagdgesetzt im Kanton Bern.

Graphik der verschiedenen Geschosse und deren Energie. Bitte beachten Sie die Linie der Mindest-Energieanforderung 
      für Rotwild (min. 2000 Joules) 
Enttäuscht von der neuen Munition.
Unlängst hat der Grosse Rat des Kantons GR über unser einzigartiges Kaliber debattiert. Es sollte weiterhin beibehalten werden. Uraltes Ziel des Kalibers ist ein schweres Geschoss mit guter Durchschlagskraft und einem starken Bogenschuss (eingeschränkte Schussdistanz). Was haben wir heute: Hunderte von Selbstladern, alle mit dem Ziel, eine gestrecktere Flugbahn zu erhalten. Die gute alte 270er gibts nicht mehr. Neu gibt es aber die GR-Spezial. Zeil dieser Munition: ein leichteres Geschoss, gestrecktere Flugbahn - ein Glücksfall für unsere Jagd? Die Firma Glaser Handels AG sucht nun Berichte und Erfahrungen mit dieser Munition. Auch meine Gruppe hat von dieser Munition gekauft und vier Tiere damit erlegt. Ein 2-jähriger Hirschstier von 102kg. Blattschuss. Kaum zu glauben: Der ganze Einschussviertel inkl. ein Teil des Rückens und der ganze Hals ist zerstört. Eine Rehgeiss, 3-jährig, Blattschuss. Der ganze Vorderteil (Kasten und Laffen) muss in die Kadaververwertung (kein Ausschuss). Der Fleischverlust wäre noch eines, aber drei der vier Tiere hatten keinen Ausschuss. Als langjähriger Schweisshundeführer verurteile ich eine solche Munition aufs Schärfste. Ein Geschoss, welches ein Rehlein auf 100m nicht durchschlägt, sollte noch heute und nicht erst morgen verboten werden. Unsere "gefährdeten" Wildarten, Gäms und Reh, sind zeitlich und auch anzahlmässig beschränkt worden. Ist es dann noch nötig, einen Teil dieser verludern zu lassen? Für eine erfolgreiche Nachsuche ist ein Durchschuss ein Muss, auch für den Jäger. Hans Müller, Schweisshundeführer Duvin.
Copyright (C) by Bündner Jäger 12/2010

Kritische Stimme zur Munition GR Spezial.
Leserbrief von Hans-Peter Tscharner, Pusserein.
Nun hat doch noch ein wirklich Sachverständiger den Mut gehabt, die wahren Tatsachen über die GR Spezial offenzulegen. Genau dies wurde von allen, die sich, unabhängig vom Hersteller, ein wenig mit Ballistik befassen, vorausgesagt. Eine gestreckte Flugbahn nützt nämlich gar nichts, wenn die nötige Energie im Ziel nicht vorhanden ist und das Geschoss, kaum ist es im Wildkörper, zerbröselt. Wenn ein Wiederlader so was basteln würde, wäre ihm eine Strafe sicher. Ein leichtes Bleijagdgeschoss in diesem Kaliber kann es nicht geben. Jagd- und Scheibengeschosse sind eben zweierlei. Es gibt heute Jagdgeschosse und fertige Munition in Kupfer und Messing, die den Bleigeschossen in Innen-, Flug- und Zielballistik weit überlegen sind. Sie sind anders konstruiert, lassen sich dadurch höher laden und sind erst noch angenehmer zu schiessen; leider nur wenige im Kaliber 10,3 (schon wieder die Kaliberfrage). Wenn schon Blei, dann ist das RWS KS eine brauchbare Munition, nur sollte man dem Geschoss etwas mehr Gas geben, so wie es die "alte RWS" eben war. Da war aber das Problem vom Rückstoss. Ein Geschoss dieser Bauart, mit dem erforderlichen Gewicht für die nötige Energie plus Laborierung für eine gestrecktere Flugbahn, ergibt automatisch einen grösseren Rückstoss. Dieser Rückstoss kann aber heute mit einer guten Mündungsbremse stark reduziert werden. Eines jedoch ist sicher: Entscheidend ist der Treffersitz und nicht die Munition, so wie es etwa in der Werbung zu lesen ist. Schade ist es alleweil, wenn kiloweise Wildbret der Kadaversammelstelle übergeben werden muss. Verbleites Wildbret sollte weder an Hunde verfüttert noch auf Luderplätzen ausgelegt werden. Fälle von Bleivergiftungen sind bekannt.
Copyright (C) by Bündner Jäger 02/2011