| Patrone |
Geschoss-Gewicht |
BC |
GEE |
Gasdruck |
Präzision |
Preis/Stück |
| RWS GR Spezial |
12.0 Gramm / 185 Grains |
0.165 |
162m |
2'700 Bar |
25mm |
CHF 5.00 |
Fazit: Diese Patrone kann für schwaches
mitteleuropäische Schalenwild bis max. 150m Distanz angewendet
werden. Das Geschoss spricht sehr schnell an, zerbröselt und
das Geschoss-Restgewicht von lediglich knapp 6 Gramm weckt
kein grosses Vertrauen bezüglich Durchschlagskraft. Deshalb darf diese Patrone nicht
weiter als 150m Distanz angewendet werden. Zwar besitzt diese
Ladung eine hohe Mündungs-Geschwindigkeit von 895m/s (Werksangaben). Aber
dies soll nicht davon hinwegtäuschen, dass auf 200 Metern
Distanz das Geschoss lediglich eine Geschwindigkeit von
551m/s! Daraus resultiert sich noch folgendes Problen:
Die Mindestanforderung in Energie auf 200m ist bei 2'000
Joules definiert. Und mit der daraus resultierenden Energie
auf 200 Meter mit diesem nur 12 Gramm schweren Geschoss gerade
mal 1'822 Joules. Ja, sogar auf 150 Meter besitzt das Geschoss
lediglich 2'366 Joules. Deshalb dürfte eigentlich diese
Fabrik-Munition gar nicht auf Hochwild angewendet werden!
Abklärungen diesbezüglich sind im Gange!
Das nächste
Problem ist der Wind-Drift. Bei einem Seitenwind
von 7m/s wird das Geschoss auf 100 Meter bereits
über 11 cm von der eigentlichen Treffpunktlage
gedriftet. Daher ist ein möglicher Schuss auf 150
Meter nicht mehr zu
verantworten, weil auf dieser Distanz das Geschoss bereits mehr
als 27 cm von der Treffpunktlage versetzt ist!
Der Wind, der Wind, das
himmlische Kind, oder: Die Windabweichung auf das
Geschoss hat einen wesentlichen Einfluss auf das Treffen des Stück
Wildes!
Nachdem wir uns bereits mit dem Thema
Querschnitts-Belastung beschäftigt haben, ist es nun das Thema Wind,
welches wir genauer ansehen möchten. Viele der Jäger wissen ziemlich
genau, welchen Einfluss der Geschossabfall (vertikale Abweichung) bis auf
300 Metern beträgt. Aber nur wenige Jäger haben wirklich eine Ahnung,
wieviel ein Geschoss im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verweht werden kann.
Viele Schweizer Jäger sind zudem gleichzeitig auch in
einem Schützenverein aktiv dabei. Die dort verwendete Munition (7,5x55
GP11) wird auf 300 Meter geschossen. Dabei ist der Schützenstand optimal
eingerichtet. Windfahnen stehen zur Verfügung, um den Wind korrekt lesen
zu können. Von daher ist es einfacher, auf die Windabweichung korrekt zu
reagieren und die Zielvorrichtung an der Waffe korrigiert werden
kann.
Ganz anders ist es während der Jagd. Es gibt mehrere
Faktoren, welche dem Jäger die Schwierigkeiten aufzeigen. Zuerst weiss der
Jäger nicht immer genau, wie weit der Schuss ist. Dafür gibt es die
Entfernungsmesser, welche hervorragende Dienste leisten. Das nächste
Problem ist das korrekte "Lesen" (Erkennen) des Windes. Hier sind die
Erfahrungen im Gelände massgeblich für jagdlichen Erfolg (sauberer
Treffer), oder Misserfolg (sehr schlechter Schuss, oder zumindest vorbei
geschossen). Meistens weht der Wind über die gesamte Geschossflugbahn nie
konstant. Vor allem, wenn man über ein Tal schiesst, ist es extrem
schwierig, die korrekte Windgeschwindigkeit zu bestimmen.
Jagdliche Anwendung
Zuerst müssen wir und vor Augen halten: wie lang ist
ein Rehbock, vom Brustbein bis zur Keule? Wie lang ist ein starker
Rothirsch, vom Brustbein bis zur Keule? Wenn man diese Masse vor dem
Schuss vor Augen hält, so kann man beurteilen, wieviel "Reserve" für einen
Treffer vorhanden sind. Vergewissern wir, dass die tödliche
Trefferzone bei kleinem Wild maximal 5 cm
beträgt und bei starkem bis sehr starkem Wild durchauch
10 cm betragen kann, so wird ein weiter Schuss auf über
150 Metern bei starkem Wind von mehr als 10 m/s (36 km/h) sehr fragwürdig.
Man könnte durchaus sagen, es ist ein unwaidmännischer Schuss wegen der
sehr ungünstigen Wetter- und Wind-Bedingungen!
Schauen wir mal die
unten stehende Tabelle an. Eine Spalte heisst:
Thorax-Länge, welche aufzeigt, wie lang ein Stück Wild
ist.
| Wild-Klasse |
Wild-Art |
Gewicht
(kg) |
Thorax-Breite (cm) |
Breitseite(cm) |
Wund-Durchmesser (mm) |
Wund-Tiefe
(cm) |
Wund-Fläche
(cm2) |
| Sehr leichtes Wild |
Murmel, Fuchs, Reh |
< 25 |
< 23 |
30 - 50 |
bis 15 |
< 10 |
< 63 |
| Leichtes Wild |
Gams, Dam, Hirsch-Schmaltier |
25 - 50 |
23 |
50 - 80 |
bis 15 |
10 - 13 |
63 |
| Mittelschweres Wild |
Rothirsch, Wildschwein, Karibu |
50 - 150 |
23 - 28 |
80 - 100 |
bis 15 |
13 - 15 |
63 - 70 |
| Mittel bis schweres Wild |
Wapiti, Kudu, Oryx |
150 - 350 |
28 - 38 |
80 - 120 |
bis 15 |
15 - 18 |
70 - 83 |
| Schweres Wild |
Elch, Braun-Bär, Zebra |
350 - 750 |
38 - 42 |
100 - 150 |
bis 15 |
18 - 23 |
83 - 110 |
| Sehr schweres Wild |
Kaffern-Büffel, Eland, Bison |
750 - 1500 |
42 - 48 |
120 - 200 |
bis 15 |
24 - 34 |
110 - 160 |
Das nachfolgende Bild zeigt den Gamsbock in voller Pracht. Die Gesamtbreite (vom Brustbein bis zur Keule)
eines starken Bockes beträgt ca. 60cm.
Wenn nun der Jäger das Wild angesprochen hat,
so muss er sich überlegen, ob er einen sicheren Schuss auf die bekannte
Distanz abgeben kann. Die Kenntnis des Jagdgebietes hilft ihm dabei. Im
gleichen Moment muss er wissen, wieviel Wind gerade weht. Bei einem lauen
Lüftchen muss man nicht gross nachdenken, aber wenn sich Äste kräftig
bewegen, so muss der Faktor Wind wirklich berücksichtigt
werden.
Hohe
Querschnittsbelastung = hoher B.C. (ballistiscsher
Koeffizient) =
weniger
Windabweichung (Drift) Die
Querschnittsbelastung ist ein Wert, der sich aus der Gesamtmasse (Gewicht)
des Geschosses und seiner Querschnittsfläche ergibt. Der Wert kann in
g/mm2 errechnet und angegeben werden. Da ein Geschoss mit hoher
Querschnittsbelastung ein sehr hohes Durchdringungsvermögen in Luft und in
das Zielmedium (Wildkörper), wird diese Erscheinung überall dort
angewandt, wo dies erwünscht wird.
Jagdliche Anwendung der
Querschnittsbelastung Die sehr sinnvolle
Anwendung einer hohen Querschnittsbelastung bringt wesentliche Vorteile in
der Aussen- und Zielballistik. Somit wird erreicht, dass das Geschoss, welche mit
einer Mündungsgeschwindigkeit beschleunigt worden ist, so viel
Geschwindigkeit wie nur möglich bis ins Ziel bringen soll.
Betrachen wir verschiedene
Geschosse von verschiedenen Herstellern für die Patrone 10,3x60R
und vergleichen wir die Werte der Abweichungen des Geschosses mit
Windgeschwindigkeiten von 5 m/s resp. 10 m/s. Nachfolgend eine
Tabelle mit den Geschossen verschiedener Hersteller. Für eine Vergrösserung, bitte das Bild klicken.
Bild: Tabelle Abweichung bei
Windgeschwindigkeiten von 5 m/s resp. 10 m/s für Patronen im Kaliber
10,3x60R
Die Tabelle ist sortiert nach der Spalte
Windgeschwindigkeit 10 m/s. Die in der Tabelle erwähnten Werte sind
massgeblich für die Aussenballistik. Die Werte für den Ballistischen
Koeffizienten von 0.300 und höher sind als gute
Werte anzusehen. In Kombination mit einer höchst möglichen V°
wird der Winddrift minimiert. Ziel ist es, ein formgünstiges Geschoss zu
verwenden, um den Winddrift (Abweichung) zu
reduzieren. d.h eine strömungsgünstige Geschossform
(hoher Ballistischer Koeffizient B.C.) mit einem optimalen
Geschossgeschwindigkeit.
Zeigen wir mal graphisch auf, wie sich die beiden Geschosse bezüglich der Flugbahn zur Visierlinie verhalten.
Worauf es ankommt, wenn das Geschoss einerseits zu leicht ist und
zusätzlich noch eine sehr ungünstige Geschossform (tiefen BC) aufweist, zeigt die unten
stehende Graphik ganz deutlich.
Zeigen wir mal graphisch auf, worauf es wegen des Wind-Driftes ankommt,
wenn das Geschoss einerseits zu leicht ist und
zusätzlich noch eine sehr ungünstige Geschossform (tiefen BC) aufweist.
Diese folgende Graphik zeigt auf, wie der Wind-Drift der neuen Patrone von RWS 10,3x60R GR Spezial extrem zusetzt!
Gute Geschosse Alle Geschosse werden
vom Wind (10 m/s) seitlich weggetragen. Diese Werte liegen auf einer
Schussdistanz von 150 Metern bei weniger als 20 cm (Wind 10 m/s) .
Zielt der Jäger nun auf einen breit stehenden Gamsbock, so wird der Treffer
entweder weich oder vorbei in den Boden einschlagen. Dies
verständlicherweise jenachdem von welcher Seite der Wind gekommen
ist!
Was nützt eine sehr hohe V°
(Mündungsgeschwindigkeit), wenn das Geschoss einerseits zu leicht ist und
zusätzlich noch eine sehr ungünstige Geschossform aufweist.
Das Geschoss verliert
auf die jagdlichen Schussdistanzen von max. 200 Metern zuviel an
Geschwindigkeit. Zusätzlich wird das Geschoss mit einer ungünstigen Form
(tiefer Ballistischer Koeffizient B.C.) extrem seitlich vom Winde
verweht.
Schlechte Geschosse Bei Geschossen mit
einem schlechten Ballistischen Koeffizienten (B.C. tiefer als 0.150)
und/oder eine tiefe Geschossgeschwindigkeit (V150 kleiner als 530
m/s) wird der Wind (10 m/s) das Geschoss auf 150 Meter mehr
als 30 cm verwehen. Deshalb ist es sehr unvernünftig, einen
Schuss bei sehr starkem Wind auf über 150 Meter Distanz
abzugeben.
Bitte vergleichen Sie die Werte und entscheiden
selbst!
Diese folgende Graphik zeigt den Vergleich der verschiedenen Geschosse und deren Geschwindigkeiten.
Diese folgende Graphik zeigt den Vergleich der verschiedenen Geschosse und deren entsprechende Energien. Zudem
noch die blaue Linie der geforderten Mindest-Energie von 2000 Joules auf 200 Meter für Rotwild gemäss Jagdgesetzt
im Kanton Bern.
Enttäuscht von der neuen
Munition. Unlängst hat der Grosse Rat des Kantons
GR über unser einzigartiges Kaliber debattiert. Es sollte
weiterhin beibehalten werden. Uraltes Ziel des Kalibers ist
ein schweres Geschoss mit guter Durchschlagskraft und einem
starken Bogenschuss (eingeschränkte Schussdistanz). Was haben
wir heute: Hunderte von Selbstladern, alle mit dem Ziel, eine
gestrecktere Flugbahn zu erhalten. Die gute alte 270er gibts
nicht mehr. Neu gibt es aber die GR-Spezial. Zeil dieser
Munition: ein leichteres Geschoss, gestrecktere Flugbahn - ein
Glücksfall für unsere Jagd? Die Firma Glaser Handels AG sucht
nun Berichte und Erfahrungen mit dieser Munition. Auch meine
Gruppe hat von dieser Munition gekauft und vier Tiere damit
erlegt. Ein 2-jähriger Hirschstier von 102kg. Blattschuss.
Kaum zu glauben: Der ganze Einschussviertel inkl. ein Teil des
Rückens und der ganze Hals ist zerstört. Eine Rehgeiss,
3-jährig, Blattschuss. Der ganze Vorderteil (Kasten und
Laffen) muss in die Kadaververwertung (kein Ausschuss). Der
Fleischverlust wäre noch eines, aber drei der vier Tiere
hatten keinen Ausschuss. Als langjähriger Schweisshundeführer
verurteile ich eine solche Munition aufs Schärfste. Ein
Geschoss, welches ein Rehlein auf 100m nicht durchschlägt,
sollte noch heute und nicht erst morgen verboten werden.
Unsere "gefährdeten" Wildarten, Gäms und Reh, sind zeitlich und
auch anzahlmässig beschränkt worden. Ist es dann noch nötig,
einen Teil dieser verludern zu lassen? Für eine erfolgreiche
Nachsuche ist ein Durchschuss ein Muss, auch für den Jäger.
Hans Müller, Schweisshundeführer Duvin. Copyright (C) by
Bündner Jäger 12/2010
Kritische Stimme zur Munition GR
Spezial. Leserbrief von Hans-Peter Tscharner,
Pusserein. Nun hat doch noch ein wirklich Sachverständiger
den Mut gehabt, die wahren Tatsachen über die GR Spezial
offenzulegen. Genau dies wurde von allen, die sich, unabhängig
vom Hersteller, ein wenig mit Ballistik befassen,
vorausgesagt. Eine gestreckte Flugbahn nützt nämlich gar
nichts, wenn die nötige Energie im Ziel nicht vorhanden ist
und das Geschoss, kaum ist es im Wildkörper, zerbröselt. Wenn
ein Wiederlader so was basteln würde, wäre ihm eine Strafe
sicher. Ein leichtes Bleijagdgeschoss in diesem Kaliber kann
es nicht geben. Jagd- und Scheibengeschosse sind eben
zweierlei. Es gibt heute Jagdgeschosse und fertige Munition in
Kupfer und Messing, die den Bleigeschossen in Innen-, Flug-
und Zielballistik weit überlegen sind. Sie sind anders
konstruiert, lassen sich dadurch höher laden und sind erst
noch angenehmer zu schiessen; leider nur wenige im Kaliber
10,3 (schon wieder die Kaliberfrage). Wenn schon Blei, dann
ist das RWS KS eine brauchbare Munition, nur sollte man dem
Geschoss etwas mehr Gas geben, so wie es die "alte RWS" eben
war. Da war aber das Problem vom Rückstoss. Ein Geschoss
dieser Bauart, mit dem erforderlichen Gewicht für die nötige
Energie plus Laborierung für eine gestrecktere Flugbahn,
ergibt automatisch einen grösseren Rückstoss. Dieser Rückstoss
kann aber heute mit einer guten Mündungsbremse stark reduziert
werden. Eines jedoch ist sicher: Entscheidend ist der
Treffersitz und nicht die Munition, so wie es etwa in der
Werbung zu lesen ist. Schade ist es alleweil, wenn kiloweise
Wildbret der Kadaversammelstelle übergeben werden muss.
Verbleites Wildbret sollte weder an Hunde verfüttert noch auf
Luderplätzen ausgelegt werden. Fälle von Bleivergiftungen sind
bekannt. Copyright (C) by Bündner Jäger 02/2011
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