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Steinbock-Jagd
in den Alpen
Die
Steinbock-Jagd mit Sepp...
Im Kanton Graubünden
(Schweiz) ist es üblich, dass für die Alpen-Steinbock-Jagd mindestens ein
Sherpa in Begleitung ist. Insbesondere dann, wenn das Gelände sehr
schwierig ist. Collani hat schon einige Steinbock-Jäger als Sherpa begleitet.
Auf alle Fälle – an dieser Jagd, die er als Sherpa miterleben durfte,
war das Gelände relativ schwierig. Die Steinbock-Kolonie befand sich im
Sesvenna-Gebiet.
Die Regeln für die Steinbock-Jagd in
Graubünden sind hart. Jedes zehnte Jahr kann man sich für diese Jagd
anmelden. Man muss im Besitz des Graubündner Jagdpatentes sein, damit die
Anmeldung gültig ist. Die Anmeldung muss bis spätestens März den zuständigen
Behörden zugeschickt werden. Danach wird man ausgelost, und wenn man ein
bisschen Glück hat, so kann man schon im gleichen Jahr (Oktober) zur
Steinbock-Jagd. Jedem Jäger werden zwei Tiere zugesprochen. Je nach Alter
des Jägers wird dann der Bock aus der entsprechenden Alters-Kategorie
zugeteilt. So wurde Collani's Vater Josef die Kategorie 6-10 jähriger Bock
zugesprochen. Als erstes muss eine nichtsäugende Steingeiss erlegt werden
– danach erst der Bock.
Nachdem Vater zwei Tage zuvor die vorgängig benötigte Stein-Geiss
erfolgreich erlegen konnte, hiess es nun den Bock zu
erlegen. Es war ein sehr schöner Oktober-Tag. Beide fuhren frühmorgens von
unserer Gemeinde (1200 M.ü.M) hinauf zu einem Weiler. Die Fahrt ging
weiter hinauf bis zu einer Alm. Dort konnten sie das Fahrzeug stehen
lassen. Und von da aus ging es zu Fuss weiter. Die Lerchen waren schon
golden gefärbt. Nahe dem Bach hatte es schon Reif gebildet. Die Almstrasse
wurde bald von einem Wanderweg abgelöst, der beiden sehr schnell Höhe
gewinnen liess. Die Steinbock-Kolonie war in einer Höhe von 2500 bis 3000
Meter gesichtet worden. Es wurde den Steinbock-Jägern auch gute Böcke bestätigt. Also
hiess es – nichts als hinauf in luftiger Höhe. Da Vater
Schwierigkeiten mit den Lungen hatte, konnten sie nicht so schnell
hochsteigen. Und mit Rucksack, Jagdstutzen und Glas war sein Gepäck auch
nicht gerade für schnelle Sprints ausgelegt.
Die Steinbock-Jäger waren schon fast 1½ Stunden zu
Fuss unterwegs, als erstmals Steinböcke in Anblick waren. Sofort
hatte Collani sein grosses Fernrohr auf das Dreibein montiert. Collani
machte mehrere jugendliche und junge Böcke aus – alle zu jung für
Vater. Mindestens wurde gewiss, dass man vielleicht erfolgreich
sein könnten. Es ist nämlich nicht selbstverständlich, dass man auf
dieser schwierigen Jagd erfolgreich ist. Dementsprechend sollte man auch
vorweg die drei Wochen für diese anstrengende Jagd reservieren.
Der Aufstieg vom Wanderweg hinauf zu
den Morgeneinständen war sehr beschwerlich. Teilweise mussten sie auf
allen vieren kriechen. Aus verständlichen Gründen hat Collani dann Vaters
Jagdstutzen übernommen. Denn er hatte sonst genug zu kämpfen. Da plötzlich
konnte Collani weitere Steinböcke ausmachen. Sein Glas flog nur so in sein
Gesicht. Und da standen nun sechs grössere Exemplare! Alle waren in der
Alters-Kategorie zwischen sechs und 12 Jahren. Sepp machte eine kleine Pause,
und Collani glaste die vor ihm hochragende Felsspitze ab. Einer dieser Böcke,
den Collani ab nun an den Imposanten nannte, äugte zu uns herunter.
Wahrlich ein imposantes Bild. Danach zückte Collani sein Distanzmesser.
Den beiden Jägern trennten immer noch mehr als dreihundert Meter voneinander. Der Wind
stand günstig, er blies ganz regelmässig. Sie wussten,
dass sie an günstiger Position sein mussten, bevor der Wind bergwärts
drehen würde. Vaters mobilisierte seine letzten Energien, damit sie zur
rechten Zeit an der vom Sherpa Collani vorgängig festgestellten Stelle sein konnten.
Ein Felsvorsprung inmitten eines mit Grasbüscheln bewachsenen Hanges hatte
Collani als mögliche Stelle vorgesehen. Doch bis dort oben waren es immer
noch mehr als hundertfünfzig Meter. Der Höhenmeter zeige nun 2600 Meter
über Meer. Schritt für Schritt ging es weiter hoch. Endlich, nach fünfzehn
Minuten und hundert Höhenmetern waren sie an dieser Stelle. Sie war ideal.
Vater machte noch kurz eine richtige Verschnaufpause. Die Böcke äugten
immer noch zu den Jägern herunter. Das Wild fühlte sich sicher, denn alle Böcke
verhofften. Collani machte nun die Kamera bereit. Vater hatte sich erholt,
er nahm sein Jagdstutzen im Anschlag. „Wie weit ist es denn?“ flüsterte
er Collani zu. Der Sherpa mass schnell nach... „169 Meter...“ antwortete Collani
leise. „Soll ich fliegen lassen?“ fragte er mich. Und Collani erwiderte
„... es sind 169 Meter...“ Rummsss – da flog schon das 16.5 Gramm
schwere Teilmantel-Geschoss. Der Imposante zeichnete eindeutig. Er drehte
nach rechts ab, verschwand ein Moment aus den Augen des Sherpas, danach hörte man
Geröll, dass von oben herabgeschoben wurde. Der Steinbock war tödlich
getroffen. Er rutschte geradewegs zu den Jägern herunter. Das feine Geröll
brachte quasi die erlegte Beute bis vor die Füsse. Was für ein
Prachtexemplar! Die Schläuche haben eine Länge von ca. 71 cm, die Auslage
beträgt 54 cm, das Gewicht ist aber mit 78 kg eher durchschnittlich. Collani
hatte Vater noch nie weinen sehen, aber an diesem Morgen weinte er vor Glück.

Die rote Arbeit war schnell erledigt.
Und sie konnten den Rückweg mit dem Steinbock antreten. Und an diesem
Abend haben Jäger Sepp und Sherpa Collani noch lange gefeiert...
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